Der erste große europäische Flughafen, der ein Sicherheitskontrollsystem mit künstlicher Intelligenz in Betrieb genommen hat, ist der Frankfurter Flughafen. Die Einführung von automatischen Systemen zur Erkennung verbotener Gegenstände (APIDS) in allen Flughafenterminals ist eine technologische Investition, die die Erkennungsfähigkeiten verbessert, Wartezeiten verkürzt und die Sicherheitsverfahren optimiert.
Der Artikel enthält eine umfassende Erläuterung des neuen Systems, seiner Betriebsfunktionen, der Vorteile für Passagiere und Fluggesellschaften, seiner Auswirkungen auf die Sicherheit und seines Zusammenhangs mit den laufenden Entwicklungen in der Flughafentechnologie und den Passagierservicesystemen.
Was ist APIDS und warum ist es wichtig?
Das automatische System zur Erkennung verbotener Gegenstände beginnt mit der Abkürzung APIDS. In Frankfurt nutzen die Sicherheitskräfte künstliche Intelligenz, die mit Computertomographie-Röntgenscannern (CT) zusammenarbeitet, um verbotene Gegenstände in geschlossenem Handgepäck zu erkennen, darunter Messer, Schusswaffen und Sprengstoffe. Das System zeigt potenzielle Gefahren sofort an, sodass die Kontrolleure ihre Aufmerksamkeit darauf richten können, ohne die Taschen zur Inspektion auspacken zu müssen.
Das Sicherheitspersonal des Flughafens benötigt menschliches Urteilsvermögen für seine endgültige Entscheidung, ob eine zweite Gepäckkontrolle durchgeführt werden soll. Die KI fungiert als Entscheidungshilfesystem, das sowohl die Geschwindigkeit als auch die Genauigkeit der Abläufe verbessert.
Bereitstellung und Zertifizierung
Die vollständige Einführung der Technologie im Terminal 1 und Terminal 2 des Frankfurter Flughafens folgt auf einen zweijährigen Test- und Zertifizierungsprozess. Die Bundespolizei und das Bundesministerium des Innern haben gemeinsam mit der Fraport AG und der Europäischen Union die Leistungsfähigkeit des Systems bewertet und es in den täglichen Betrieb integriert. APIDS ist nun auf mehr als 50 CT-Scannern von Smiths Detection im Einsatz und damit die erste derart groß angelegte Implementierung in der Europäischen Union.
Die nationale Zertifizierung bedeutet, dass die KI-Lösung strenge regulatorische Standards für Sicherheit und Zuverlässigkeit erfüllt – ein entscheidender Schritt hin zu einer breiteren Einführung an anderen europäischen Flughäfen in den nächsten 12 bis 18 Monaten.
So funktioniert die KI-Sicherheitsüberprüfung
APIDS verwendet maschinelle Lernmodelle, die darauf trainiert sind, Formen, Dichten und Konfigurationen zu erkennen, die mit verbotenen Gegenständen auf CT-Scans in Verbindung stehen. Wenn das Gepäck durch den Scanner läuft:
- Der CT-Scan erstellt ein detailliertes 3D-Bild des Tascheninhalts.
- APIDS verarbeitet das Bild sofort und hebt verdächtige Formen hervor.
- Das Sicherheitspersonal überprüft die markierten Gegenstände und entscheidet, ob die Tasche zur weiteren Inspektion geöffnet werden soll.
Dieser Prozess ermöglicht es Passagieren, Flüssigkeiten und elektronische Geräte während des Scannens in ihrem Gepäck zu lassen – eine Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit, die moderne Sicherheitspraktiken widerspiegelt, bei denen CT-Bildgebung zum Einsatz kommt.
Passagiererlebnis: Geschwindigkeit und Komfort
Einer der wichtigsten Vorteile des KI-Screenings ist die verkürzte Bearbeitungszeit. Erste Daten aus Frankfurt zeigen:
- 12–15 % höhere Durchsatzrate während der morgendlichen Stoßzeiten, wodurch sich die Wartezeiten für Geschäftsreisende verkürzen.
- Geringere Fehlalarmquote, was weniger unnötige Nachkontrollen bedeutet, die den Durchfluss verlangsamen.
Für Passagiere bedeutet dies:
- Kürzere Warteschlangen und schnellerer Zugang zu den Abflügen.
- Weniger Stress während der Hauptreisezeiten.
- Potenziell kürzere Mindestumsteigezeiten ohne das Risiko, Flüge zu verpassen – ein entscheidender Faktor an einem großen Drehkreuz wie Frankfurt. Viele Fluggesellschaften und Mobilitätsmanager sehen darin einen Wettbewerbsvorteil bei der Flugplanung.
Vorteile für Fluggesellschaften und Flughafenbetreiber
Auch Fluggesellschaften und Bodenpersonal profitieren von den verbesserten Kontrollen:
- Effizientere Sicherheitskontrollen können die Umsteigezeiten für Flüge verkürzen.
- Weniger Verzögerungen an den Kontrollpunkten reduzieren die Arbeitsbelastung für das Bodenpersonal und verbessern die Pünktlichkeitskennzahlen.
- Fluggesellschaften können engere Anschlussflüge für Passagiere einplanen, wodurch längere Wartezeiten vermieden werden.
Die Investition von Fraport in Höhe von rund 50 Millionen Euro in die Modernisierung der Sicherheit kombiniert dieses KI-System mit verbesserten Fahrspurlayouts und CT-Technologien in allen Terminals, wodurch Sicherheitskontrollen reibungsloser und vorhersehbarer werden.
Sicherheits- und regulatorische Überlegungen
APIDS trägt zwar zur Effizienzsteigerung bei, ersetzt jedoch nicht die menschliche Aufsicht. Die Sicherheitsbeamten behalten die volle Entscheidungsgewalt bei der Kontrolle. Dieses Gleichgewicht ist entscheidend: Die KI unterstützt durch das Hervorheben verdächtiger Gegenstände, automatisiert jedoch keine sensiblen Entscheidungen ohne menschliche Bestätigung.
Der Zertifizierungsprozess unterlag den strengsten Kontrollen durch nationale und europäische Vorschriften, die vorschreiben, dass das System festgelegte Luftsicherheitsstandards erfüllen muss. Die Zertifizierung durch das deutsche Bundesministerium des Innern dient nun als Modell, anhand dessen alle europäischen Flughäfen in den kommenden Jahren ihre KI-Anwendungen für Luftsicherheitssysteme in der gesamten Europäischen Union standardisieren können.
Herausforderungen und operative Anpassungen
Trotz des fortschrittlichen Systems müssen Passagiere und Mitarbeiter mit einer kurzen Übergangsphase rechnen. Das Sicherheitspersonal macht sich derzeit mit den neuen Arbeitsabläufen vertraut, und Passagiere sollten insbesondere in der Anfangsphase der Einführung weiterhin ausreichend Zeit für die Sicherheitskontrollen einplanen.
APIDS speichert keine zusätzlichen personenbezogenen Daten außer dem zur Qualitätssicherung verwendeten markierten CT-Bild. Der Datenschutz bleibt ein Schwerpunktbereich, insbesondere da KI-Systeme sensible Inhalte aus Handgepäck abfragen. Diese sorgfältige Handhabung gewährleistet die Einhaltung der Datenschutzanforderungen und gesetzlichen Vorschriften.
Weiterer Kontext: KI in der Luftsicherheit
Der Einsatz in Frankfurt entspricht dem allgemeinen Trend, künstliche Intelligenz zur Verbesserung des Flughafenbetriebs einzusetzen:
- Zahlreiche Flughäfen testen derzeit intelligente Systeme für die Gepäckabfertigung und den Bodenumschlag, die mithilfe von KI die Umschlagvorgänge für Flugzeuge optimieren.
- Fortschrittliche Screening-Technologien wie die Erkennung mittels künstlicher Intelligenz und Durchgangsscanner werden immer häufiger eingesetzt, doch die Zertifizierung und vollständige Einführung in Frankfurt sind nach wie vor eine europaweite Premiere.
Dieser Trend zeigt, dass Luftfahrtbehörden und Betreiber zunehmend offen dafür sind, KI einzusetzen, um steigende Passagierzahlen zu bewältigen und gleichzeitig strenge Sicherheitsstandards einzuhalten.
Tipps für Passagiere zur Nutzung von KI-gestützten Sicherheitskontrollen
Wenn Sie über den Flughafen Frankfurt reisen:
- Kommen Sie rechtzeitig: Trotz schnellerer Abfertigung sollten Sie ausreichend Zeit einplanen, insbesondere wenn Sie mit der Flughafenanlage nicht vertraut sind.
- Überprüfen Sie Ihre Reisedokumente: Stellen Sie sicher, dass Ihre Visa und Unterlagen auf dem neuesten Stand sind, um den schnelleren Sicherheitsprozess zu ergänzen.
- Befolgen Sie die Anweisungen an den Kontrollpunkten: KI hebt bestimmte Gegenstände hervor, aber das Sicherheitspersonal verlangt weiterhin die Einhaltung der Standardverfahren.
- Seien Sie auf Änderungen vorbereitet: Da sich das Personal an neue Technologien anpasst, kann es während der Kontrolle zu geringfügigen Änderungen im Arbeitsablauf kommen.
Fazit: Ein neuer Standard in der Flughafensicherheit
Die Einführung von KI-gestützten Sicherheitskontrollen am Frankfurter Flughafen ist ein historischer Meilenstein für die europäische Luftfahrt. Der Flughafen nutzt sein APIDS-System, um alle Sicherheitskontrollen abzudecken und gleichzeitig die Betriebszertifizierung zu erhalten, wodurch andere große Flughäfen ihre Effizienz, Sicherheit und Passagierservices verbessern können.
Alle Flughäfen weltweit stehen aufgrund der steigenden Passagierzahlen und der erhöhten Nachfrage nach Reisen in der Zeit nach der Pandemie vor Herausforderungen. Frankfurt zeigt mit seinem Modell, wie Flughäfen künstliche Intelligenz einsetzen können, um ihre Erkennungssysteme, ihre betriebliche Effizienz und ihre Sicherheit zu verbessern und dennoch das menschliche Urteilsvermögen in Entscheidungsprozessen beizubehalten.
Die Technologie hat die behördliche Zulassung erhalten, und erste Ergebnisse zeigen, dass sie messbare Vorteile bringt, was darauf hindeutet, dass sie bald in ganz Europa und anderen Regionen zum Standard werden wird.
FAQs
Was ist das am Frankfurter Flughafen eingesetzte KI-System?
Der Frankfurter Flughafen hat APIDS (Automatic Prohibited Item Detection System) eingeführt, eine KI-gestützte Plattform, die das Sicherheitspersonal bei der Erkennung verbotener Gegenstände im Handgepäck unterstützt. Das System überlagert die Bilder der CT-Röntgenscanner mit Informationen und markiert Gegenstände, die überprüft werden müssen.
Ersetzt KI menschliche Sicherheitskräfte?
Nein. Die KI markiert zwar verdächtige Objekte, aber die endgültige Entscheidung über die Durchführung einer zweiten Kontrolle treffen menschliche Sicherheitsbeamte. Das System unterstützt das Personal, ersetzt es jedoch nicht.
Speichert das System personenbezogene Daten?
APIDS speichert nur markierte CT-Bilder, die zur Qualitätssicherung verwendet werden – es werden keine personenbezogenen Daten von Passagieren gespeichert.
Wie viele Scanner verwenden das KI-System?
Das System ist auf über 50 CT-Scannern von Smiths Detection in allen Terminals des Flughafens im Einsatz.
Verändert sich dadurch die Wartezeit für Passagiere?
Ja. Erste Messungen zeigen einen Anstieg des Durchsatzes um 12 bis 15 % in Spitzenzeiten, wodurch sich die Wartezeiten verkürzen, ohne die Sicherheit zu beeinträchtigen.